Wie funktioniert ein Tintenkiller?

Ein Tintenkiller ist ein ein Stift um Korrekturen an Texten vorzunehmen, die mit blauer Tinte geschrieben wurden.
Jeder von uns kennt ihn wohl aus seiner Schulzeit. Wenn ich mir überlege wie manches meiner Schulhefte ohne ausgesehen hätte, hätte ich wohl öfter Strafarbeiten machen oder aber alles komplett neu schreiben müssen.
Und wer macht das als Kind schon gerne wenn draußen die Sonne scheint und die Freunde zum Spielen rufen.
Praktisch und zeitsparend ist er. Doch wie funktioniert ein Tintenkiller eigentlich?
Was wie Zauberei erscheint gehört eher in den Bereich der Chemie:
Gebräuchliche Tinten bestehen aus organischen Farbstoffen. Sie enthalten Elektronen, die einfallendes Licht in einem bestimmten Wellenbereich absorbieren. Licht anderer Wellenlängen wird reflektiert. Durch diese Reflexion ändert sich die Wellenlängenverteilung, wodurch das refelktierte Licht eine Farbe erhält. Der Ganze Vorgang funktioniert nur, solange Farbmoleküle flach sind. Ein Tintenkiller stört die Geometrie der Farbmoleküle, das reflektierte Licht verliert seine Farbe.
Dieser "Löscheffekt" kann folgendermaßen hervorgerufen werden:
Löschen mit Carbonaten - weniger effizient
Löschen mit Sulfiten - effizient
Löschen mit Thiosulfaten und Dithioniten - effizient

Geschichte des Tintenkillers
In den 1930er Jahren gab es bereits ein erstes Bleichmittel der Firma Pelikan, das als "Tintentod" oder "Radierwasser" bezeichnet wurde und in der Lage war Tinte zu entfernen. Der erste Löschstift kam 1972 unter der Bezeichnung Pelikan "Tinten-Tiger" auf den Markt. Spätere Namensgebungen waren "Tinten-Blitz" und "Super-Pirat".
Mittlerweile bietet Pelikan Tintenkiller in drei Strichbreiten, nämlich "B", "F" und "M" an. Ihre Funktionsweise ist die gleiche, je nach zu korrigierender Fläche bietet aber jede der drei Strichbreiten einen zeitlichen Vorteil.

Woraus besteht Tinte?

In den meisten Fällen handelt es sich bei Tinte um ein Gemisch aus einem Lösungsmittel wie Wasser und einem Farbstoff. Selbstverständlich gibt es außer blauer Schreibtinte auch grüne, rote oder schwarze Tinte. Allein die blaue Tinte lässt sich aber durch einen Tintenkiller entfernen. Ursächlich hierfür sind chemische Prozesse bzw. die Zusammensetzung der Moleküle, die sich von Farbe zu Farbe unterscheiden. Doch dazu später mehr.

Der Name Tintenkiller oder Tintenlöschstift legt nahe, dass die Tinte gelöscht wird, was nicht der Fall ist. Der in der Tinte enthaltene Farbstoff wird lediglich unsichtbar gemacht und das nicht wie von Zauberhand. Jeder Farbstoff reflektiert Licht.
So sieht die blaue Farbe blau aus, weil der Farbstoff in ihr alle Farben des Lichts aufnimmt, die blaue Farbe aber reflektiert. Anders ausgedrückt bedeutet dies, dass der Tinten-Farbstoff nur noch UV-Strahlen aufnimmt, und für uns unsichtbar wird. Ein Tintenkiller verändert die Struktur des Farbstoffs, sodass dieser kein Licht mehr aufnehmen kann, sondern das Licht vollständig reflektiert. Alle Arten von Licht werden gleichzeitig reflektiert. Dadurch ist unser Auge nicht mehr in der Lage eine bestimmte Farbe wahrzunehmen. Die Tinte wird für unser Auge unsichtbar. Beim Stoff im Tintenkiller, der zu dieser Veränderung führt, handelt es sich um Natriumsulfit, das nur auf blaue Farbe reagiert. Folglich ist dieser Effekt bei anderen Tintenfarben unwirksam.
Die Nutzung eines Tintenkillers im Abitur, bei Protokollen, Laborbüchern oder wissenschaftlichen Arbeiten ist nicht erlaubt, da die Wirkung des Löschstiftes nach einigen Jahren nachlässt. Besser ist es in diesem Fall entsprechende Stellen zu streichen.
Dadurch sind Korrekturen nachvollziehbar und die genannten Schriftstücke bleiben dokumentenecht.

Technische Funktionsweise eines Tintenkiller 
Licht ist nicht nur weiß, auch wenn es uns so erscheint. Es besteht aus vielen einzelnen Farben, so wie ein Regenbogen nichts anderes als gespaltenes Licht aufzeigt. Je nachdem welche Farben herausgefiltert werden, nimmt sie unser Auge wahr.
Die Moleküle der Tinte besitzen eine ganz bestimmte, nämlich flache Struktur. Dies führt dazu, dass sie die gelben Farbanteile aus dem Licht herausfiltern. Die übrig gebliebenen Farbanteile erscheinen für unsere Augen blau.
Hauptbestandteil eines Tintenkillers ist, wie bereits erwähnt, das Bleichmittel Natriumsulfit. Es verändert die Molekülstruktur der Tinte. Aus einer flachen Struktur wird eine Pyramidenstruktur. Dadurch werden keinerlei Farbanteile mehr herausgefiltert und die Farbe blau wird für unser Auge unsichtbar. Wir sehen lediglich das weiße Papier.
Die Tinte selbst ist damit nicht verschwunden, ist aber für unser Auge nicht mehr wahrnehmbar.
Ein erneutes Überschreiben der korrigierten Fläche mit blauer Tinte ist nicht möglich. Lösungen bietet ein Kugelschreiber oder der von Pelikan entwickelte "Super-Pirat", ein Tntenlöschstift, der auch Überschreibtinte enthält.
Da sich schwarze, rote oder grüne Farbmoleküle in ihrer Molekülstruktur von blauen unterscheiden, können diese nicht oder nur teilweise "gelöscht" werden.

Die richtige Anwendung
Gleiten Sie mit der Tintenkiller-Spitze sanft über die Stelle, die Sie korrigieren möchten. Drücken Sie nicht zulange und zu stark auf das Papier um es nicht aufzuweichen.
Verwenden Sie den Stift erst wenn die Tinte getrocknet ist und streichen Sie dann 1-2 Mal darüber.
Ist die Löschflüssigkeit getrocknet, können Sie die Stelle überschreiben.

Die Firma Pilot hat mit ihrer Frixion-Serie vor einigen Jahren Tintenroller, Fasermaler und Fineliner entwickelt, deren Tinte sich wegradieren lässt. Das Prinzip beruht jedoch auf Tinte, die auf Wärme bzw. Kälte reagiert. Füllfederhalter werden leider (noch) nicht angeboten.

Tinte wieder sichtbar machen

Tinte kann nach einigen Jahren von sich aus wieder sichtbar werden, sobald die Flüssigkeit des Tintenkillers und damit deren Wirkung teilweise nachgelassen hat. Eine andere Möglichkeit bietet heller Essig. Ein wenig davon auf den "gelöschten" Stellen, bringt die ursprüngliche Schrift wieder zum Vorschein.
Andere Möglichkeiten die korrigierten Stellen wieder zum Vorschein zu bringen sind entsprechend konzentrierter Essigdampf, das Erhitzen mit Heißluft, oder dem Dampf von etwa 36 prozentiger Salzsäure.
Eine Alternative zum Tintenkiller bieten Korrekturroller in unterschiedlichen Breiten, die auf Wasser basieren.

Zusammenfassung - Tinte wieder sichtbar machen durch:

  • konzentrierten Essigdampf
  • Dampf von etwa 36-prozentiger Salzsäure
  • Heißluft um die Schrift teilweise wieder sichtbar werden zu lassen
  • etwas hellen Essig auf die gelöschten Stellen aufträufeln

 

Pfiffige Geheimbotschaften
Ein Tintenkiller eignet sich auch für Geheimbotschaften. Haben Sie schon einmal ein Wort mit dem Tintenkiller auf ein leeres Blatt Papier geschrieben? Natürlich sieht man zunächst nichts. Wenn Sie dann aber mit Ihrem Füller die Blattfläche schraffieren, erscheint das von Ihnen geschriebene Wort.

Sind Tintenkiller schädlich?

Tintenkiller sind Gebrauchsgegenstände und keine Nahrungsmittel. In höherer Konzentration kann die Flüssigkeit zu Unwohlsein und Krankheitsbeschwerden führen. Deshalb gehört der Stift auf keinen Fall in den Mund, auch nicht um die Spitze anzufeuchten.
Um dem Austrocknen vorzubeugen setzen Sie dem Stift nach Gebrauch die Schutzkappe umgehend wieder auf.


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